Die Teil­nah­me an einem zeit­ge­schicht­lich bedeu­ten­den Ereig­nis führt dazu, dass die damit zusam­men­hän­gen­de öffent­li­che Erör­te­rung gedul­det wer­den muss, soweit sie an die Teil­nah­me an der Ver­an­stal­tung und an bereits bekann­te Tat­sa­chen aus der Sozi­al­sphä­re anknüpft. Die Bild­be­richt­erstat­tung dazu kann nach dem abge­stuf­ten Schutz­kon­zept der §§ 22, 23 Kunst­UrhG eben­falls ohne Zustim­mung der Betrof­fe­nen gerecht­fer­tigt sein.

Die Klä­ge­rin, Toch­ter der Prin­zes­sin Caro­li­ne von Han­no­ver, hat­te am soge­nann­ten „Rosen­ball“ teil­ge­nom­men und ver­klag­te eine Zei­tungs­her­aus­ge­be­rin, die im März 2007 einen Arti­kel mit dem Titel: „Char­lot­te, die Par­ty-Prin­zes­sin“ und dem Unter­ti­tel „Rosen­ball in Mona­co – und der Star war Prin­zes­sin Caro­li­nes Toch­ter: eine feu­ri­ge Schön­heit“ ver­öf­fent­lich­te, in zwei getrenn­ten Ver­fah­ren auf Unter­las­sung der Wort­be­richt­erstat­tung (VI ZR 230/08) und der Bild­be­richt­erstat­tung (VI ZR 190/08) Die Vor­in­stan­zen gaben der Klä­ge­rin teil­wei­se recht, nun hob der Bun­des­ge­richts­hof die Urtei­le auf (BGH, Urteil vom 26.10.2010, Az.: VI ZR 230/08).

Er begrün­de­te, dass bei einer Teil­nah­me an Ver­an­stal­tun­gen, die ersicht­lich wegen ihres Teil­neh­mer­krei­ses auf gro­ßes Inter­es­se sto­ßen und auch auf Außen­wir­kung ange­legt sind, die öffent­li­che Erör­te­rung einer Teil­nah­me gedul­det wer­den müs­se, soweit sie an die Teil­nah­me an der Ver­an­stal­tung und an bereits bekann­te Tat­sa­chen aus der Sozi­al­sphä­re anknüp­fen. Die Bild­be­richt­erstat­tung zu einer Per­son dage­gen müs­se nach dem abge­stuf­ten Schutz­kon­zept der §§ 22, 23 Kunst­UrhG gerecht­fer­tigt sein. Dies bejah­te das Gericht für die Bil­der des Rosen­balls, als zeit­ge­schicht­li­ches Ereig­nis im Sinn der §§ 22, 23 Kunst­UrhG, was die Betrof­fe­ne damit ein­schlie­ße.

Hin­sicht­lich des Wort­be­richt bie­te das All­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht (Art. 2 Abs. 1 iVm Art. 1 Abs. 1 GG) Schutz nur gegen spe­zi­fi­sche Ver­let­zungs­for­men, ins­be­son­de­re gegen eine Beein­träch­ti­gung der Pri­vat- oder Intim­sphä­re sowie gegen her­ab­set­zen­de bzw. ehr­ver­let­zen­de Äuße­run­gen. Ein vom Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­halt unab­hän­gi­ger Schutz bestehe im Bereich der Text­be­richt­erstat­tung nur mit dem hier nicht ein­schlä­gi­gen Recht am gespro­che­nen Wort. Im Übri­gen bie­te das all­ge­mei­ne Per­sön­lich­keits­recht aber kei­nen Schutz vor per­so­nen­be­zo­ge­nen Äuße­run­gen unab­hän­gig von ihrem Inhalt.

In die glei­che Rich­tung urteil­te das BVerfG am 14.09.2010 (1 BvR 1842/08; 1 BvR 2538/08; 1 BvR 6/09) über die Ver­fas­sungs­be­schwer­den zwei­er Pres­se­ver­la­ge gegen die zivil­ge­richt­li­che Unter­sa­gung ihrer Wort- und Bild­be­richt­erstat­tung über öffent­li­che Auf­trit­te der Toch­ter der Prin­zes­sin Caro­li­ne von Han­no­ver:

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sah die Beschwer­de­füh­re­rin­nen durch die Unter­sa­gung der Wort­be­richt­erstat­tung in ihrem Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit ver­letzt. Die Toch­ter müs­se die Bericht­erstat­tung dul­den. Die auf­ge­zähl­ten Grün­de ent­spre­chen in der Argu­men­ta­ti­on hier­bei dem oben vom BGH gesag­ten. Hin­ge­gen bestä­tig­te das BVerfG die Unter­sa­gung der Ver­öf­fent­li­chung eines Titel­fo­tos von der Toch­ter, weil die­sem kei­ne zeit­ge­schicht­li­che Bedeu­tung zukom­me, wodurch die Beschwer­de gegen die Unter­sa­gung sich nur als teil­wei­se erfolg­reich dar­stell­te.